
Ralf Biallas ist neuer Vorsitzender des Netzwerkes Schule, Wirtschaft und Wissenschaft für die Region Unterweser. In einem Interview stellt er sich vor.
Herr Biallas, Sie sind seit dem Herbst neuer Vorsitzender des Netzwerkes Schule, Wirtschaft und Wissenschaft für die Region Unterweser. Mögen Sie sich kurz persönlich vorstellen?
Gerne. Ich lebe in Debstedt, bin seit 26 Jahren glücklich verheiratet und habe zwei Kinder. Meine ältere Tochter wird 19 und ist gerade im Abitur; die jüngere wird 13.
Sie sind ein Kind der Region?
Ja, das kann man so sagen. Ich bin gebürtiger Bremerhavener und damals in Leherheide aufgewachsen. In der Region bin ich fest verwurzelt, habe hier meine Familie und viele Freunde. Es ist übrigens eine Region, die als Wirtschaftsstandort zu sehr unterschätzt wird. Da brauchen wir mehr Selbstbewusstsein.
Und wie verlief Ihr beruflicher Werdegang?
Mit 16 Jahren habe ich meine Ausbildung begonnen und bei der Fischereihafen-Betriebsgesellschaft Elektroenergieanlagenelektroniker gelernt. Ich wollte dann immer Ingenieur werden und habe dann tatsächlich an der Fachoberschule Bremen erfolgreich Elektrotechnik studiert. Ich bin also auch Elektroingenieur mit Schwerpunkt Hochspannungstechnik. 1993 war ich fertig und da ging auf dem Ingenieurs-Markt erst einmal gar nichts.
Wie sind Sie dann an der Schule gelandet?
Damals hatte ich einen Kollegen, mit dem ich eng zusammengearbeitet habe und der unbedingt Berufsschulehrer werden wollte. Da habe ich mir gedacht: „Wenn ich gar nichts finde, beginne ich das Aufbaustudium Lehramt. Ich kann ja immer noch abspringen, wenn sich etwas anderes ergeben sollte.“
Das war also mein Weg in die Lehramts-Karriere.
Je länger ich mich damit beschäftigt hatte, desto mehr rutschte ich da hinein. An der Universität Bremen beendete ich schließlich das Lehramts-Studium mit dem Schwerpunkt Elektrotechnik und dem Nebenfach Politik.
Anschließend war ich zum Referendariat zwei Jahre in Rendsburg in Schleswig-Holstein und bin dann familienbedingt wieder zurück gekommen.
2001 fing ich an den Berufsbildenden Schulen in Cuxhaven an, war später Mitglied der erweiterten Schulleitung.Dort blieb ich bis 2020. Im Oktober wechselte ich als Schulleiter zur Max-Eyth-Schule – als Nachfolger von Meinhard Buchwitz.
Was ist für Sie der Reiz des Lehrer-Lebens?
Es macht mir unheimlich viel Spaß, mit Menschen zu arbeiten. Die Lehrer-Persönlichkeit muss stimmen. Man muss mit Leuten gerne arbeiten und mit ihnen kommunizieren können. Und ich denke: Das passt bei mir.
Ich komme gut mit den Schülern klar, nehme sie ernst und begegne ihnen auf Augenhöhe. Diese menschliche Schiene ist wichtig.
Außerdem habe ich Freude daran, Bildung weiter zu entwickeln und dafür in Verantwortung zu gehen.
Seit wann sind Sie im Netzwerk aktiv und wie sind Sie dazu gestoßen?
Mein Vorgänger Meinhard Buchwitz hat das Netzwerk mit aus der Taufe gehoben. Er war Schriftführer im Vorstand. Als Meinhard Buchwitz aus dieser Position ausschied, hat er mich in diese Position gebracht.
Was beeindruckt Sie an der Netzwerk-Arbeit am meisten?
Mich beeindruckt am meisten, dass die beteiligten Akteure wirklich zusammengebracht werden.
Eine Berufsschule ist ja eine besondere Schule, weil wir wirtschaftsnah sind und ungefähr 80 Prozent der Kollegen hier an der Max-Eyth-Schule haben einen beruflichen Hintergrund in der Wirtschaft. Doch bei den allgemeinbildenden Schulen ist die Schnittstelle zur Wirtschaft nicht so ausgeprägt. Der allgemeinbildende Lehrer kommt aus der Schule über das Studium in die Schule. Er hat Berührungen zur Wirtschaft wenig oder gar nicht.
Für den Übergang in die Berufswelt ist diese Verbindung jedoch äußerst wichtig. An dieser Stelle bietet das Netzwerk – bedingt durch die Akteure, die da zusammentreffen – schnelle Kontakte und kurze Dienstwege. Bildung ist für mich naturgemäß ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit als Vorsitzender.
Was haben Sie sich für Ihre Tätigkeit als Vorsitzender vorgenommen?
Was das Netzwerk tut, ist etabliert und durch die Satzung vorgegeben. Die vielfältigen Aktivitäten und Projekte des Netzwerkes wollen wir am Laufen halten. Und wir sind offen für neue Projekte, die an uns herangetragen werden.
Ein wichtiger Punkt, der uns und somit auch mich im Vorstand beschäftigt, ist, dass wir aus der Abhängigkeit von öffentlichen Geldern wegkommen wollen. Dazu gehört, dass wir neue Mitglieder gewinnen und die stilleren Mitglieder stärker einbinden möchten.