Mark Rackles, Bremens Senator für Kinder und Bildung, hat eine Qualitätsoffensive gestartet. Dazu passte der wichtigste Tagesordnungspunkt des jüngsten Stammtisches des Netzwerkes Schule, Wirtschaft und Wissenschaft für die Region Unterweser (NSWW). Der fand unter der Moderation von NSWW-Geschäftsführer Horst Lüdtke in der Max-Eyth-Schule/Berufsbildende Schulen Schiffdorf statt.

Myrle Dziak-Mahler hielt ein Referat über lernlog – ein digitales Werkzeug, das Schülerinnen und Schüler dabei unterstützt, Lernprozesse zu planen, zu dokumentieren und zu reflektieren. Zugleich soll lernlog Lehrkräften und Ausbildern neue Möglichkeiten der Lernbegleitung eröffnen. Lernlog ist eine Initiative der Montag-Stiftung für Jugend und Gesellschaft.

Reichhaltige pädagogische Erfahrung

Senator Rackles und seine Behörde empfehlen den Schulen in Bremerhaven und Bremen den lernlog-Einsatz. Das Land Niedersachsen könnte bald folgen; ein Abstimmungsgespräch ist zeitnah vorgesehen.

Myrle Dziak-Mahler brachte den rund 30 Stammtisch-Teilnehmern dieses  digitale Werkzeug näher. Sie ist seit 2024 Geschäftsführerin der lernlog gGmbH.

Myrle Dziak-Mahler bringt in ihrer Tätigkeit bei lernlog einen reichhaltigen Erfahrungsschatz in der Pädagogik ein. Die ehemalige Studienrätin an einer Integrierten Gesamtschule leitete mehr als zehn Jahre das Zentrum für Lehrer:innenbildung (ZfL) der Universität Köln, war später Kanzlerin und Geschäftsführerin der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft. Als Autorin und Herausgeberin von Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien machte sich Myrle Dziak-Mahler ebenfalls einen Namen. Außerdem ist sie unter anderem Kolumnistin der Fachzeitschrift „Pädagogik“ und wurde mit dem Universitätspreis der Universität zu Köln ausgezeichnet.

Vom Rücksitz auf den Beifahrersitz

Die Referentin rief zu einem anderen Blick auf die aktuelle Pisa-Studie auf, bei der die Schülerinnen und Schüler aus Deutschland im internationalen Vergleich erneut schlecht abgeschnitten hatten. Die Untersuchung zeige nicht das Potenzial auf, das in den jungen Menschen stecke. Und sie gehe nicht darauf ein, unter welchen Bedingungen dieses Potenzial geweckt werden könne.

„Wer Lernen verändern will“, erläuterte Myrle Dziak-Mahler, „muss zuerst die Qualität der Beziehungen zwischen Schülern und Lehrern verändern.“ Und weiter: „Schulen stehen vor der großen Aufgabe, ihre Schülerinnen und Schüler mit Kompetenzen für die Welt von morgen auszustatten.

Das gelingt nur, indem das Lernen schon heute verändert wird.“

Die Kinder und Jugendlichen gehörten vom Rücksitz des „Schul-Autos“ auf den Beifahrersitz, so die Referentin. Lernlog leiste hierzu einen Beitrag, indem es den Lernprozess sichtbarer und transparenter sowie aus der Lehrkraft einen Lernbegleiter und Lernberater mache. Myrle Dziak-Mahler unterstrich: „Die Lernenden erkennen, wie sie lernen, wo sie stehen und welche weiteren Schritte sinnvoll sind.“

Ralf Biallas stellte seine Schule vor

Lernlog wurde nach Darstellung von Myrle Dziak-Mahler gemeinsam mit Schulen für Schulen entwickelt. Die Web-App werde durch Feedback aus dem Schulalltag kontinuierlich weiter entwickelt. An den Schulen wird lernlog der Referentin zufolge so eingesetzt, wie es zu den jeweiligen pädagogischen Konzepten, Strukturen und Rahmenbedingungen passt: „Statt ein starres System vorzugeben, passt sich lernlog den Bedürfnissen der Schule an.“

Den Stammtisch eröffnet hatte Ralf Biallas. Der NSWW-Vorsitzende leitet zugleich die Max-Eyth-Schule/Berufsbildende Schulen Schiffdorf. Ralf Biallas stellte seine Schule vor. Die wird zurzeit von 679 Schülerinnen und Schülern besucht; 60 Lehrkräfte unterrichten dort. Die regional sehr gut vernetzte Schule deckt mehrere berufliche Fachrichtungen ab – von Agrarwirtschaft bis Sozialpädagogik. Der Schwerpunkt liegt allerdings im Agrarbereich.

Wie bei einem NSWW-Stammtisch üblich, sprachen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch über diverse andere Themen. Zum Beispiel berichtete Marco Ruhlkötter vom jüngsten Talentpool in Cuxhaven und dem Projekt Demokratie Cuxhaven. Birgit Becker und Karin Wilde blickten auf die MIG-Planspiele 2026 zurück. Nicole Wind befasste sich mit einem Projekt zur Sprachförderung für Kleinkinder, Stefanie Uhe mit dem Projekt Mint Pink. Und Horst Lüdtke schilderte seine Eindrücke vom Kongress des Bündnisses Ökonomische Bildung (BÖB) in Hamburg, das sich – wie das Netzwerk – für fundierten Wirtschaftsunterricht an den Schulen einsetzt.

Der nächste Stammtisch ist für den 18. Februar 2027 geplant.

Text und Fotos: Thomas Klaus

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